Hallux valgus: Konservativ behandeln oder operieren?

Ursachen des Hallux valgus: Verletzungen, Schuhmode und Bindegewebsschwäche

Eine häufige Ursache für den Hallux valgus oder Ballenfuß ist eine vererbte Bindegewebsschwäche. Davon sind dann auch die Bänder betroffen, die am Fuß das Längs- und Quergewölbe stabilisieren. Ein sogenannterSpreizfuß2560_1600_2010051812434948GHF1170 entsteht. Beim Spreizfuß ist das vordere Quergewölbe des Fußes eingesunken. Die Zehen zeigen nicht mehr in ihrer natürlichen Ausbreitungsrichtung nach vorne. Der Spreizfuß ist daher der häufigste Ausgangsbefund eines Hallux valgus.

Der Hallux Valgus kann ebenfalls durch Fußfehlstellungen begünstigt werden, die nach Unfall- oder Fußverletzungen, z.B. Knochenbrüchen entstehen. Auch entzündlich veränderte Gelenke (Arthritis) können Ursache des Hallux valgus sein.

Das jahrelange Tragen zu enger Schuhe mit hohen Absätze begünstigt häufig die Entstehung des Hallux valgus. Weil ein großer Teil des Körpergewichts nicht mehr auf der Ferse und dem Längsgewölbe des Fußes lastet, sondern auf den empfindlichen Vorfuß drücken, verliert das vordere Quergewölbe seine Stabilität: Ein Spreizfuß entsteht.

Deshalb sind überwiegend Frauen von dem Hallux valgus betroffen. Der große Zeh wird bei dem Hallux valgus ständig in Richtung der anderen Zehen gedrückt. Dadurch bekommen die ansetzenden Muskeln eine veränderte Zugrichtung und ziehen den Zeh noch weiter nach außen. Unterstützt wird die Bildung des Hallux valgus durch die hohen Absätze und das dadurch entstehende zusätzliche Gewicht, das diesen immer weiter aufspreizt.

Weitere belastungsabhängige Faktoren tragen zur Entstehung des Hallux valgus bei: Übergewicht und langes Stehen können die Bänder im Vorfuß destabilisieren, und das Quergewölbe absinken lassen.

Kosmetische Probleme durch Hallux valgusБез имени

  • Rötung und Schwellung des Zehenballens
  • Hervortreten des Zehenballens (Exostose)
  • Fehlstellung der Großzehe
  • Fehlstellung der benachbarten Kleinzehen unter dem Druck des Hallux valgus (z.B. Hammerzehen)
  • Unschöne Form des Fußes
  • Gestörtes Gangbild

Diese Fragen beantwortet die Tastuntersuchung des Hallux valgus:

  • Wie ausgeprägt ist bereits der Fixationsgrad, d.h. die Versteifung des Hallux valgus?
  • Gibt es noch die Möglichkeit, den Großzeh aus der Hallux valgus Fehlstellung in seine normale Stellung zu führen?
  • Wie stark ist bereits die Drehung des Hallux valgus?
  • Wie stabil ist die Befestigung des ersten Mittelfußknochens an der Fußwurzel? Hier kann eine Instabilität als ein wichtiger Faktor für unzureichende Korrekturen im Rahmen von bisherigen Hallux valgus-Operationen untersucht werden. Der Hallux valgus hat in dieser Instabilität häufig seinen Ausgangspunkt.
  • Sind bereits Knochenanbauten (Osteophyten) im Großzehengelenk zu finden als Zeichen für eine Arthrose im Gelenk?
  • Gibt es bereits verschleißbedingte Folgeerkrankungen?
  • Sind die Sesambeine verschiebbar?
  • Sind bereits Arthrosen der kleinen Mittelfußknochen unter dem ersten Zehenstrahl sichtbar?

Konservative Behandlungsmöglichkeiten des Hallux valgus

  • Orthopädietechnik: Schuhzurichtung
  • Hallux valgus Schienen (Orthesen)
  • Physiotherapie: Fußschule und Zehengymnastik
  • Hallux valgus Schienen (Orthesen)
  • Einlagen zur Behandlung des Spreizfußes
  • NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zur Schmerztherapie

Welche Therapien helfen im Anfangsstadium des Hallux valgus?

 

Orthopädietechnik bei Hallux valgus

  • Zehenspreizer
  • Zehenpolster
  • Einlagen mit Abstützung
  • Ballenrolle
  • Orthesen (Hallux-Schienen)

Vor der Wahl des Operationsverfahrens müssen folgende Fragen erörtert werden:

  • Wie groß ist die genaue Abweichung des Hallux valgus von der normalen Anatomie?
  • Welches der Operationsverfahren ist für geeignet, um eine weitgehend normale Anatomie der Großzehe wiederherzustellen?
  • Kann eine Wiederherstellung der normalen Situation nach Hallux valgus überhaupt erwartet werden?
  • Wie stark ist die Arthrose im Großzehengrundgelenk bereits fortgeschritten?

Prinzip der Hallux valgus Operation

Es gibt inzwischen viele verschiedene Hallux valgus Operationsmethoden. Bevor wir in einem weiteren Artikel zur → Hallux-Operation die wichtigen Eingriffe genauer ansehen, wollen wir hier kurz die allen gemeinsamen Prinzipien der Korrektur des Hallux valgus herausgreifen. Aus diesen Behandlungsmöglichkeiten setzen sich alle spezifischen Eingriffe am Großzehengrundgelenk zusammen.

Weichteileingriffe: Behandlung von Sehnen und Gelenkkapsel an der Großzehe

Die Kapsel um das Großzehengrundgelenk hat sich durch die Fehlstellung schon verengt, so dass die Fehlstellung kontrakt, also nicht mehr aktiv zurückführbar ist. Die Lösung und Erweiterung der Gelenkkapsel und die Längenpassung der der Sehnen, die die Großzehe steuern, ist also ein wesentlicher Schritt, um wieder eine dauerhafte Geradestellung der Großzehe zu erreichen.

Beim Hallux valgus verändert sich die Gelenkkapsel. Auf der Seite des Knicks im Großzehengrundgelenk (rot in der nebenstehenden Zeichnung) ist die Kapsel überdehnt, auf der Gegenseite ist sie kontrahiert. Diese Veränderung der Gelenkkapsel muss durch Raffung und Erweiterung korrigiert werden. Die betroffenen Sehnen (gelb) benötigen ebenfalls eine Längenkorrektur.

Osteotomie: Umstellung der Knochen und Einheilen in einer neuen Position

Bei der chirurgischen Osteotomie werden Mittelfuß und Zehenknochen durchtrennt und in einer neuen, gewünschten Richtung wieder zusammengesetzt und mit Schrauben, Drähten oder kleinen Metallschienen bis zur Einheilung in der neuen Position stabilisiert.

Cheilektomie: Gelenkerhaltende Arthroskopie des Großzehengrundgelenks

Wenn der Gelenkkorpel noch zu mehr als 50% erhalten ist, kann eine gelenkerhaltende minimalinvasive Gelenkspiegelung des Großzehengrundgelenks durchgeführt werden. Die Knochensporne werden, falls vorhanden, abgetragen. Die Aussichten einer Cheilektomie müssen teilweise während der Operation nach direkter Sicht auf das Gelenk entschieden werden. Ist die Schädigung bereits zu stark, ist keine Beschwerdebesserung durch diesen Eingriff zu erwarten.

Arthrodese: Versteifung des GroßzehengrundgelenksБез имени.2jpg

Bei Patienten mit schweren Hallux valgus Fehlstellung und Großzehengrundgelenksarthrose muss manchmal das Gelenk der Großzehe ganz entfernt und versteift werden. Diese Versteifung erfolgt durch Fusion der Gelenkpartner. Diese Fusion erfolgt (vor allem bei bei Frauen) bei Bedarf in einem Winkel, der auch das Tragen höherer Absätze ohne Bewegungseinschränkungen zulässt.

“Mini-Invasive” Operationstechnik mit kleinsten Schnitten und minimaler Narbenbildung

Der medizinische Fortschritt hat viele unterschiedliche Methoden zur Hallux valgus Operation entwickelt.

Die vielversprechendste Technik zur Hallux valgus OP wurde in den letzten Jahren neu entwickelt. Sie ist international bewährt, wird aber bislang in nur wenigen deutschen Kliniken angewandt: Die sogenannte mini-invasive Hallux valgus Chirurgie. Durch den Einsatz von kleinsten, nur 2mm kleinen Instrumenten, ähnlich zahnärztlichen Geräten, können Weichteilverletzungen bei der Hallux Operation und damit die Heilungszeit deutlich reduziert werden.

Das Besondere: Bei dieser Hallux valgus Operation werden bei milden Fehlstellungen keine Schrauben gesetzt. Dann ist auch keine Nachoperation zur Schraubenentfernung erforderlich.

Durch den Einsatz kleinster Werkzeuge – ähnlich zahnärztlichen Geräten, kann die bei dem Hallux valgus erforderliche Korrekturosteotomie mit nur kleinsten Haut- und Weichteilverletzungen ausgeführt werden. Die Heilungszeit und die Komplikationsrate verringern sich, die Wundheilung ist wegen der nur kleinen Weichteilverletzungen beschleunigt.